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Viel Arbeiten macht krank?

Das hört man ja oft, dass viel Arbeiten krank macht: Burnout, Überforderung, Depressionen etc. Aber stimmt das wirklich?

 

Jeder kennt das: wenn einen etwas begeistert, dann kann man einige Zeit (natürlich nicht endlos, aber länger als man meint) sehr viel arbeiten und es macht einen nicht krank. Im Gegenteil: es energetisiert einen, macht einen glücklich. Wie kommt das?

 

In der Positiven Psychologie gibt es sehr klare Antworten auf diese Frage:

 

1. Eine Tätigkeit muss für mich einen Sinn, eine Bedeutung haben. Das kann heißen, dass es offensichtlich anderen Menschen hilft oder sie bei ihrer Arbeit unterstützt, dass es einen "Mehrwert" hat, zu etwas Größeren beiträgt.

 

Geben Sie hier nicht vorschnell auf, nur weil Sie nicht z.B. für eine Hilfsorganisation in Afrika arbeiten. Ich höre das oft in Coachings oder Trainings, dass Menschen, die z.B. für große Wirtschaftsunternehmen arbeiten, überzeugt sind, dass ihre Arbeit keine Bedeutung für sie hätte, Ihnen kein Gefühl von Sinnhaftigkeit oder Verbundenheit mit etwas Größerem gebe. Weil es da ja nur um Profitmaximierung und Wettbewerberverdrängung ginge.

 

Aber sind Sie sicher, dass
a) es in der Entwicklungshilfe z.B. nicht auch darum geht und die MitarbeiterInnen dennoch den Sinn in ihrer Arbeit sehen und
b) ein profitorientiertes Unternehmen keinen individuellen tieferen Sinn für seine MitarbeiterInnen bietet?

 

Was ist z.B. mit der Beziehung zu den Kollegen, mit der Zusammenarbeit im Team, mit der Entwicklung der persönlichen Kompetenz oder Persönlichkeit? Sind das keine tieferen Bedeutungen oder Werte?

 

Die Positive Psychologie hat gezeigt, dass die Frage, ob ich meine Tätigkeit als reinen Job fürs Geldverdienen, als Karriere oder als persönliche Berufung ansehe, ausschließlich etwas mit meiner Einstellung zu tun hat, nicht mit der Art der Arbeit an sich. Was hält Sie davon ab, Ihre Arbeit als Berufung zu sehen?

 

2. Die Tätigkeit muss ein Ziel haben, das ich erreichen will. Etwas, auf das ich hinarbeite. Das können Ziele sein, die sich immer wieder wiederholen oder Zwischenziele. Wichtig ist nur, dass ich einen Fortschritt erkennen kann. Das bietet an sich schon eine Bedeutung für meine Tätigkeit, dass ich auf etwas hinarbeite.

 

Um das feststellen zu könne, muss ich eine Form von Rückmeldung bekommen, wo auf dem Weg zum Ziel ich stehe, ob ich noch auf dem Weg bin. Man stelle sich vor: eine Arbeit, die kein Ziel hat, keinen Endpunkt und während der ich keine Ahnung habe, ob das, was ich tue, angemessen ist, bietet wenig Raum für Motivation. Menschen, die solche sogenannten monotonen Arbeiten verrichten, z.B. Fließbandarbeit, nutzen diese Erkenntnis für ihre Motivation und setzen sich Ziele: etwas in einer bestimmten Zeit zu schaffen oder auf eine bestimmte Art. Doch meist bieten sich diese Ziele von selber an und man muss sie sich nicht extra schaffen.

 

3. Einer meiner Lieblings-Sinnsprüche ist: die Selbstverständlichkeit ist der größte Feind der Dankbarkeit. Halte ich Erfolge, das Erreichen von Zielen, meine Arbeit, meine Kollegen (und überhaupt alles) für selbstverständlich, dann geht mir die Freude daran und die Dankbarkeit dafür gänzlich ab. Mache ich mir hingegen bewusst, wann ich Erfolge habe (kleine und große), welche guten Dinge mir täglich widerfahren, dann werde ich eine tiefere Freude und Befriedigung erfahren - nicht nur in meiner Arbeit, sondern in meinem ganzen Leben.

 

Die Wissenschaft nennt das mittlerweile Positivfokussierung, aber eigentlich wissen es alle: die Welt ist meine Wahrnehmung. Ob ich positive Gefühle habe oder negative hängt zu einem großen Teil davon ab, wie ich mein Leben und meine Umwelt sehe. Positive Gefühle (und dazu zählen auch Interesse, Neugier, Stolz, Motivation, Enthusiasmus etc.) sind die größten Motivatoren. Zu erwarten, dass die Umwelt sie mir macht, ist hoffnungslos - ob ich sie erlebe hängt zum Großteil davon ab, auf was ich meine Aufmerksamkeit lenke: auf das, was nicht funktioniert oder auf das, was funktioniert?

 

Wir alle wissen, dass es Burnout gibt (dieser Artikel soll das nicht in Abrede stellen oder den Betroffenen alleine die Schuld daran geben). Natürlich gibt es Bedingungen für glückliches Arbeiten, die in einem Unternehmen geschaffen werden können - oder eben nicht. Unternehmen und Führungskräfte können ihre MitarbeiterInnen dabei unterstützen, Sinn zu finden, Berufung zu erleben, Ziele zu setzen und positive Emotionen zu erleben. Am Besten indem sie diese Dinge vorleben.

 

Viel Glück!

Kontakt

Dipl.-Psych. Susanne Keck

Schachnerstrasse 5

81379 München

 

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