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Dankbarkeit und Komplimente annehmen

Gestern bin ich vom The Work Summercamp des vtw zurückgekommen, wo ich zum ersten Mal als Lehrcoach dabei war. Wow, wow, wow!!! Ich bin so bis zum Rand angefüllt mit Dankbarkeit für diese Woche, für die TeilnehmerInnen, für meine Lehrcoach-KollegInnen, für die tolle Location und das Personal dort, für Kritik und Wertschätzung. Mir ist so viel Liebe, Wohlwollen und Anerkennung entgegen gekommen, dass ich platzen könnte.

 

Bei The Work beschäftigen wir uns ja viel mit den negativen Urteilen, die wir über andere und uns selber haben. Ich habe bemerkt, dass The Work mir jedoch anders herum auch dabei geholfen hat, mit positiven Urteilen über mich und andere anders umzugehen. Ich kann Liebe, Dankbarkeit und Komplimente von ganzem Herzen annehmen und aus ganzem Herzen geben.

 

Mir ist so stark aufgefallen, dass das früher nicht so war. Ich habe mich zwar immer danach gesehnt, dass Menschen mich positiv wahrnehmen, mich anerkennen, gar bewundern. Aber hätte ich es nehmen können? Hätte (und habe!) ich es nicht vielmehr abgebügelt oder abgewehrt, bevor es überhaupt ganz bei mir ankam, mit einer der folgenden Strategien, die Sie vielleicht auch kennen:

 

  • sofort in die "Offensive" gehen und zurück loben: "Na, du hast das ja aber auch toll gemacht!", bevor man das Lob oder die Anerkennung wirklich ganz angenommen hat
  • sofort Selbstkritik nachschieben: "Mag schon sein, dass das ganz gut war, aber xy hat noch nicht so gut geklappt." oder gar "Findest du wirklich? Ich fand es furchtbar!!"
  • die Leistung abwiegeln und klein machen: "Das ist doch nicht der Rede wert! Das ist dich selbstverständlich!"
  • die Leistung anderer in den Vordergrund schieben: "Xy hat das aber auch toll gemacht, findest du nicht?"
  • über die Motive des anderen nachdenken: "Was will der/die von mir? So ein Schmeichler!"
  • denken, dass man es nicht fühlen und zeigen darf, wenn man sich richtig gut findet: "Was werden die anderen von mir denken, wenn ich zustimme? Dass ich arrogant und eingebildet bin?"
  • die eigene Leistung sofort mit dem vorgestellten Optimum vergleichen: "Es war ja ganz ok, aber eigentlich hätte es besser sein müssen."

 

Es ist gut, sich selber zu beobachten, wenn man etwas Positives, Nettes gesagt bekommt oder selbst etwas Positives über sich denkt, ob eines dieser Dinge im Kopf (und dann auch tatsächlich durch Worte und Taten) passieren. Dann merken Sie, dass Sie Lob und Anerkennung (noch) nicht 100 %ig annehmen können. Das ist nicht weiter schlimm und wenn Sie mögen können Sie lernen, es immer mehr annehmen zu können.

 

Vielleicht helfen Ihnen die folgenden Anregungen:

- Überlegen Sie mal, wie es ist, wenn eines Ihrer Kompliment vom Adressaten zurückgewiesen werden? Wie fühlt sich das an? Wenn Sie das Kompliment von jemand anderem kleinmachen oder abwehren sagen Sie zwischen den Zeilen: "Du kannst mich nicht richtig einschätzen, deine Wahrnehmung ist falsch." Es ist freundlicher dem anderen gegenüber, dessen Wahrnehmung 100 %-ig anzuerkennen und anzunehmen, selbst wenn man anderer Meinung ist.

 

  • Ein Kompliment ist wie ein Geschenk. Wie fühlt es sich an, wenn jemand zu einem Geschenk von Ihnen sagt: "Das wäre doch nicht nötig gewesen" oder "Findest du das wirklich angemessen"? Es ist ein Ausdruck von Dankbarkeit dafür, dass sich jemand die Mühe gemacht hat, über Ihre Leistung nachzudenken, wenn Sie dies ganz und gar annehmen. Dazu müssen Sie gar nicht Danke sagen, Ihr Gesichtsausdruck und Ihre Gestik wird es verraten.

 

  • Wenn wir jemand anderen toll finden, dann bedeutet das, dass wir uns irgendwo auch toll finden. Ich kann ja nur das in jemand anderem sehen, was ich selber kenne. Gönnen Sie den Anderen das gute Gefühl, ein Kompliment auszusprechen und etwas Gutes und Schönes wahrzunehmen, indem Sie es annehmen und nicht in Frage stellen. Damit unterstützen Sie Andere, das Gute und Schöne auch in sich zu sehen und anzunehmen.

 

Nehmen Sie wahr, wenn Sie ein Kompliment oder etwas Nettes abwiegeln und kleinmachen wollen. Atmen Sie tief durch und: lassen es zu! Lassen Sie zu, dass ein Lächeln oder ein einfaches "Danke" genug sind.

 

Mir hat The Work of Byron Katie sehr geholfen, meine negativen Gedanken über andere und mich abzumildern und Dankbarkeit besser annehmen zu können. Wenn Sie das interessiert, gibt es hier mehr Informationen dazu.

 

Viel Glück!

 

Ihre Susanne Keck

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Dipl.-Psych. Susanne Keck

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