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Der Blick aufs Positive - die andere Seite der Medaille

Ein Jüngling kommt zu einem weisen, alten Schamanen und fragt diesen: „Sag mal, kannst du mir sagen, was in uns Menschen, in unserem Inneren, in unserer Seele vor sich geht?”

 

„Mein Sohn, das ist so: jeder Mensch trägt zwei Wölfe in sich; einer verkörpert das Gute, die Liebe, die Freude, die Güte, das Mitgefühl, die Hilfsbereitschaft, das Verzeihen; der andere verkörpert alles Schlechte und Üble in uns, den Neid, den Hass, die Gier, den Zorn, die Rücksichtslosigkeit. Diese beiden Wölfe in uns bekämpfen einander fortwährend.”

 

Darauf der Jüngling:

„Schön und gut, aber wer gewinnt denn nun von den beiden?”

„Es gewinnt der Wolf, den du fütterst!”

(aus Ed Watzke "Wahrscheinlich hat diese Geschichte gar nichts mit Ihnen zu tun")

Viele meiner Coaching-Klienten berichten davon, dass sie in ihrem Leben nichts mehr oder nicht mehr viel Positives finden könnten. Oft erzählen sie davon, dass dies nicht immer so war.

 

 Eine Klientin berichtet davon, wie fröhlich und unbeschwert sie und ihre Kommilitoninnen während des Studiums waren. Nun, nach vielen Jahren der Berufstätigkeit, stellten sie fest, dass der Saft irgendwie raus ist - trotzdem sie alle erst Anfang 40 seien. Sie lachte weniger, sei pessimistischer und könne sich nicht mehr so freuen wie früher.

 

Eine andere Klientin erzählt, sie habe eine anstrengende Zeit hinter sich, in der sie sehr viel Stress in ihrem Job hatte. Sie bemerke, dass sie ausgelaugt sei und seitdem weniger Freude empfinde. Sie könne wenig in ihrem Leben finden, das wirklich positiv ist und erlebe kaum Erfolgserlebnisse - trotzdem sie objektiv betrachtet die Krise gut gemeistert habe und es ihr finanziell und im Privatleben eigentlich gut gehe.

 

Diesen Menschen kommt es so vor, als habe das Leben insgesamt weniger zu bieten als früher. Sie sind in ihrem Trott, oft erschöpft von einer zeitweisen beruflichen oder privaten Überforderung, und fühlen sich, als würden sie nur noch funktionieren und nicht mehr leben - so wie früher. Erkennen Sie sich da wieder? Ich kann sicherlich Zeiten finden, in denen ich mich von all den Dingen, die ich erledigen musste, so überfordert gefühlt habe, dass mir die Freude am Leben vergangen ist und ich nicht mehr viel Gutes an mir und meinem Geschick finden konnte. Als ob sich langsam ein grauer Schleier über das Leben legt.

Es kommt einem dann so vor, als sei da tatsächlich weniger Positives. Als gäbe es tatsächlich weniger, worüber man sich freuen könne, worüber man enthusiastisch oder wofür man dankbar sein könnte. Als gäbe es keine wirklichen Gründe mehr, stolz auf sich selber zu sein und sich auf die Schulter zu klopfen, weil man das, was man zu tun hat, eh nur grad so schafft.

 

Das ist jedoch ein Trugschluss! Alles, was sich verändert hat, ist der Fokus der Aufmerksamkeit. So schwer es auch zu glauben schein mag: alles was verloren gegangen ist, ist der Blick fürs Positive. Die Realität besteht für uns als Mensch aus dem, was wir bewußt wahrnehmen, auf was wir unsere Aufmerksamkeit richten.

 

Konzentrieren wir uns eine zeitlang mehr auf die negativen Seiten, dann verlieren wir irgendwann den Blick für das Gute und Schöne und begeben uns in eine Abwärtsspirale. Das bedeutet aber nicht, dass es nicht mehr da wäre. Wir müssen dann lernen, das Positive - die eigenen Ressourcen, Fähigkeiten, Stärken und Erfolgserlebnisse, die positiven Faktoren im privaten und beruflichen Umfeld - wieder zu sehen!

 

Wie verändere ich meine Aufmerksamkeit wieder hin zum Positiven, um die andere Seite der Medaille wieder wahrnehmen zu können? Durch Training!

 

Dabei geht es nicht um plattes positives Denken. Sie sollen sich nicht einreden, dass es etwas Positives an Ihnen bzw. in ihrem Leben gibt, sondern Sie sollen lernen, es wieder wahrzunehmen. Sie sollen es wieder neu entdecken!

  • Beginnen Sie mit kleinen Dingen: lassen Sie den Tag am Abend Revue passieren und notieren Sie sich die positiven Dinge in ein Notizbuch. Lassen Sie sich dabei nicht von Ihren Gedanken abhalten, die sagen, diese positiven Dinge wären zu klein, um sie aufzuschreiben oder sie wären selbstverständlich und nicht der Rede wert.
  • Eine weitere Möglichkeit, sich der eigenen Ressourcen wieder bewusst zu werden, ist ein Ressourcen-Fragebogen, wie z.B. das Berner Ressourceninventar (RES), das Sie hier downloaden können.
  • Und wenn Ihnen das verfrüht erscheint, dann fangen Sie damit an, die guten Seiten und guten Taten der Anderen mehr wahrzunehmen. Machen Sie Komplimente. Nehmen Sie wahr, wenn jemand eine Sache gut gemacht hat - und sei es nur eine Kleinigkeit.

Die beiden Klientinnen haben das Experiment gewagt und langsam wieder mehr Positives in ihrem Leben gefunden. Die Effekte sind: mehr Selbstwertgefühl, Optimismus, Freude und Energie. Eine Aufwärtsspirale!

 

Meine Lehrerin und Freundin Pyar sagt: Der Sinn des Lebens ist, am Ende eine schöne Perlenkette zu haben. Und jede Perle ist ein glücklicher, schöner Moment. Auf nichts anderes kommt es wirklich an.

Viel Glück!

Kontakt

Dipl.-Psych. Susanne Keck

Schachnerstrasse 5

81379 München

 

mail(at)susanne-keck.de