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Frohe Weihnachten mit Nelson Mandela & Ubuntu

 

afrikanischekrippe 150Ich beschäftige mich gerade mit Positiver Psychologie in Organisationen. Was mag das mit Weihnachten zu tun haben, fragen Sie sich? Mehr als Sie glauben! Ich werde es Ihnen erklären.

 

Zunächst einmal: Weihnachten ist das Fest der Liebe, das Fest der Gemeinschaft. An keinem anderen Tag ist es Menschen so wichtig, in einer, in ihrer Gemeinschaft zu sein. Dennoch fällt es uns oft so schwer, diese Gemeinschaft zu wertschätzen. Wir wollen zwar bei der Familie sein, dann nervt sie uns aber wieder. Wir lieben unsere Angehörigen und dann beschweren wir uns doch wieder über sie.

 

Genauso geht es uns in der Arbeit auch: wir können nicht ohne den Chef oder die Kollegen, aber mit ihnen können wir auch nicht so richtig. Wir sind eingebunden in und abhängig von dem System, dem Netzwerk, in dem wir uns befinden. Glücklich macht uns das nicht, weil wir oft finden, dass die anderen unsere Erwartungen nicht erfüllen, nicht die richtigen Entscheidungen treffen, die Dinge falsch angehen.

 

Nelson Mandela und Ubuntu

In diesem Jahr ist zudem ein großer Mann gestorben, der in diesem Zusammenhang einiges beizutragen hat: Nelson Mandela. Nelson Mandela sagt von sich, er sei der klassischen afrikanischen Philosophie des Ubuntu verpflichtet. Das Wort Ubuntu stammt aus verschiedenen südafrikanischen Bantu-Dialekten und bedeutet in etwa "Ich bin weil du bist." bzw. "Ich bin, was ich bin, weil wir alle sind.". Das Open-Source-Betriebssystem Ubuntu lehnt sich auch daran an.

 

Erzbischof Desmond Tutu sagt über Ubuntu: "Ubuntu spricht über die Tatsache, dass du als menschliches Wesen nicht in Isolation leben kannst. Es spricht über unsere Verbundenheit. Du kannst ganz für dich alleine kein Mensch sein (...) Wir denken von uns viel zu oft als Individuen, die getrennt von den anderen sind. Dabei sind wir verbunden und was du tust, hat Einfluß auf die ganze Welt. Wenn du gut bist, dann verbreitet sich das; es ist für die ganze Menschheit." und “Eine Person ist eine Person durch andere Personen”.

 

Das bedeutet, dass wir ohne die anderen nicht wären und auch nicht das wären, was wir sind. Nicht nur haben uns unsere Eltern auf die Welt gebracht, sondern sie haben uns auch als erste geprägt. Egal, ob wir es gut oder schlecht finden: der Einfluß unserer Familie hat uns zu dem werden lassen, was wir sind - selbst wenn wir das, was wir sind, deshalb geworden sind, weil wir es ganz anders machen wollten. In einem System findet jeder seinen Platz und jeder trägt etwas zur Dynamik bei, die das System bewegt. Ohne die anderen gäbe es kein System, in dem wir zusammenarbeiten oder uns streiten könnten. Das wäre für uns als zutiefst soziale Wesen das Ende.

 

Dasselbe gilt auch für Organisationen: ohne die anderen gäbe es keine Organisation, keine Abteilung, keinen Job. Ohne die anderen wären wir in der Organisation nicht wer wir sind. Das komplexe Zusammenspiel formt uns. Wir können uns nicht unabhängig von der Gemeinschaft denken (selbst wenn wir denken, wir könnten es ... der Traum von der einsamen Insel, wo uns alle endlich in Ruhe lassen).

 

Dieser Gedanke spielt auch in der systemischen Familientherapie und der systemischen Organisationsberatung eine große Rolle: innerhalb eines Systems trägt jedes Mitglied Mit-Verantwortung für die Probleme aller Mitglieder. Wenn wir alle vernetzt und verbunden sind, dann kann es nicht anders sein, als dass alle etwas beitragen, in Guten wie im Schlechten. Das bedeutet: wenn es nicht gut läuft, dann sind wir mit-verantwortlich. Das bedeutet aber auch: wir haben Einfluß und können etwas verändern!

 

 

Ubuntu lebt das konsequent: manche afrikanische Stämmen nehmen ein Mitglied, das etwas Falsches getan hat (das der Gemeinschaft nicht dienlich ist) in die Mitte und erzählen ihm/ihr 2 Tage lang alles Gute, das er/sie je getan hat. So übernehmen sie Mit-Verantwortung. Ein weiterer Ausdruck von Ubuntu ist Dankbarkeit für die Verbundenheit, die eigene Existenz und die Unterstützung durch die Gemeinschaft.

Ubuntu und Weihnachten

Wie wäre das, das Weihnachtsfest dazu zu nutzen, Ihrer Gemeinschaft mitzuteilen, was sie Gutes getan haben. Vielleicht nicht alles auf einmal, sondern portionsweise immer mal wieder? Vielleicht machen Sie sich jetzt schon mal Gedanken, wem Sie dann was mitzuteilen hätten?

 

Falls Sie denken, es gäbe in ihrer Familien oder in Ihrem Freundes- und Bekanntenkreis nur negative Einflüsse, dann gebe ich Ihnen eines meiner Lieblingszitate von Albert Einstein an die Hand:

 

 

„Ich bin allen dankbar, die Nein zu mir gesagt haben. Wegen ihnen habe ich es selbst gemacht." Albert Einstein

Ubuntu und Appreciative Inquiry in Organisationen

Was hat das mit Organisationsberatung zu tun? Nun, es gibt einige Methoden, die so etwas wie Ubuntu in Organisationen bringen, z.B. Appreciative Inquiry. Eine Methode, in der innerhalb einer Organisation. Bei Appreciative Inquiry geht es um die Wertschätzung des Besten im Menschen (als Partner/in, Kolleg/in oder Mitarbeiter/in) bzw. in der Welt um uns herum. Es geht um das Erkennen und Ausbauen von Stärken, Erfolgen und Potenzialen aus der Vergangenheit und der Gegenwart, sowie um das Aufspüren und Begreifen, welche belebenden Faktoren einem System (Team, Organisation, Kommune oder Netzwerk) Energie geben. Ubuntu kann also auch in einer modernen Organisation gelebt werden!

 

Zurück zum Weihnachtsfest: im Sinne von Ubuntu ist Weihnachten das Fest der Dankbarkeit für die eigene Herkunft und für die Verbundenheit. Dankbarkeit für die Einflüsse, die mich geformt haben, zu dem was ich bin - was ich ohne die anderen nie geworden wäre. Dankbarkeit für alle Einflüsse in der Gegenwart: die positiven, die mich bestärken und die negativen, die mich stark machen und mir zeigen, was mir wirklich wichtig ist.

 

Frohe Weihnachten!

Kontakt

Dipl.-Psych. Susanne Keck

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