· 

Achtsamkeits- & Vipassana-Meditation

Wenn du müde geworden bist vom Laufen nach den Sternen, dann setz dich nieder in die Stille und lausche auf die Quelle - Phil Bosman

 

Achtsamkeitsmeditation, auch unter ihrem alten buddhistischen Namen Vipassana bekannt, ist die Jahrtausende alte Meditation des Buddha. Durch einige Mönche, die diese Meditationsform nach Europa gebracht haben, und vor allem durch den Amerikaner Jon Kabat-Zinn, der sie in das Format der Mindfulness Based Stress Reduction MBSR gebracht hat, ist Achtsamkeit heute weit verbreitet.

 

Was heißt das, Achtsamkeit? Eine mögliche Antwort:

nicht-bewertende Aufmerksamkeit im Hier und Jetzt. Das heißt, die Aufmerksamkeit ist in diesem jetzigen Moment; bei dem, was jetzt gerade geschieht. Sie ist nicht in der Zukunft und nicht in der Vergangenheit. Und diese Aufmerksamkeit, die wir den jetzigen Phänomenen – also Sinneswahrnehmungen, Gedanken und Gefühlen - schenken, bewertet sie nicht. Lärm ist so gut wie Musik. Ein Gefühl von Ärger oder Langeweile ist so gut wie Freude. Ein rastloser Geist ist so gut wie ein friedvoller.

 

Es geht darum, einfach nur zu sein, mit dem was ist. Ohne dabei ein Ziel zu verfolgen, einen bestimmten Zustand herbeiführen zu wollen. Es geht darum, aufzugeben, etwas zu wollen. Die Meditation ist nicht besser, wenn sich ein friedliches, erleuchtetes Gefühl einstellt und nicht schlechter, wenn der Geist keine Ruhe geben will.

 

Dennoch ertappen wir uns vielleicht immer wieder dabei, wie wir während der Meditation etwas wollen: mein Geist sollte nicht abschweifen, ich sollte mich friedlich fühlen, nach der Meditation sollte es mir gut gehen. Wenn unsere Erwartungen dann nicht in Erfüllung gehen, fühlen wir uns als Versager: ich kann noch nicht einmal still sitzen, ich bin zu unruhig zum Meditieren!

Doch das ist gar nicht möglich, zu unruhig zu sein zum Meditieren, denn Meditation bedeutet nicht ruhig zu sein, sondern mit der Unruhe zu sein und sie nicht ändern zu wollen. Dann wird immer klarer: es gibt diese Unruhe und es gibt eine Präsenz, die diese Unruhe auf liebevolle und nicht-bewertende Art und Weise betrachtet. Das ist Achtsamkeit. Das ist das, was wir sind, jenseits unserer Gedanken und Gefühle.

 

Nichts zu wollen läuft jedoch vielen unserer inneren Programme zuwider. Vielleicht kommt bei Ihnen der Gedanke: Wozu soll ich herumsitzen und nichts tun wollen? Was soll daran gut sein?

Es ist eine enorm wirkungsvolle und heilsame Übung, nichts zu tun und nichts zu wollen; das, was ist, anzunehmen, wie es ist, ohne es ändern zu wollen. Zu lernen, bestimmte Phänomene nicht als persönliches Versagen zu betrachten und immer und immer wieder von vorne zu beginnen. Wir werden dadurch gelassener und können die Wellen des Lebens besser reiten, wie es Jon Kabat-Zinn so treffend sagt.

 

Vipassana wird auch als Meditation der wachen Präsenz bezeichnet. Es ist eine Meditationsform ohne Meditationsobjekt (wie eine Kerze, ein Mantra oder der Atem). Du sitzt einfach da, atmest, Gedanken und Gefühle kommen und gehen, du verhinderst nichts, du beförderst nichts. Du mischt dich nicht ein, du bist einfach still, egal was geschieht.

 

Zu Beginn des Erlernens der Achtsamkeitsmeditation ist es jedoch durchaus üblich und sinnvoll mit einem Meditationsobjekt zu arbeiten. Das kann der Atem sein, der Körper oder ein Objekt. Dies tun wir auch zu Beginn unserer Achtsamkeitspraxis.

 

Pyar, meine spirituelle Lehrerin, sagt:

„In der Meditation er-innern wir uns und kehren zurück zu unseren Wurzeln: Der grundlegenden Gutheit, der Weite und Klarheit des Raumes und des Geistes selbst – weit vor jedem Gedanken oder Gefühl.“

Das bedeutet jedoch nicht, dass die Phänomene unserer materiellen Existenz nicht wertvoll wären und wir ihnen nun entsagen sollen. Im Gegenteil - wir sollen sie auskosten! Nur manchmal verlieren wir uns in ihnen. Wir verlieren uns in unseren Zielen, Erwartungen, Erinnerungen. Wir glauben, wir sind unsere Gedanken und Gefühle. Wir vergessen die Quelle bzw. unsere Wurzeln.

Der tibetischen Meisters Padmasambhava hat in einem wunderschönen Spruch dieses Sein jenseits der Gedanken und Gefühle beschrieben:

„Im unendlichen Mandala des Raumes haben alle Phänomene leicht Platz, sie haben Platz und da ist immer noch Weite. Im leeren Mandala der Geistessenz finden Erscheinungen und Dasein, Götter und Dämonen leicht Platz. Sie alle finden Platz und doch bleibt immer noch Weite.“

Diese Weite ermöglicht uns eine ganze andere, gelassenere Perspektive auf unser kostbares irdisches Dasein mit all seinen Herausforderungen.

 

Kontakt

Dipl.-Psych. Susanne Keck

Schachnerstrasse 5

81379 München

 

mail(at)susanne-keck.de