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Die Kraft der guten Absicht oder das Gute am Scheitern

Als wir das Ziel aus den Augen verloren hatten, verdoppelten wir unsere Anstrengungen! - Marc Twain 

 

Wir alle wollen etwas. Vielleicht einen (besseren) Job, mehr Geld, ein Kind, einen Partner oder eine Eigentumswohnung. Oder wir wollen mehr innere Ruhe, Freiheit von Stress und Hektik, Gesundheit, Glück oder mehr Durchsetzungskraft. Oder 1000 andere Dinge hintereinander oder manchmal auch gleichzeitig.

Oft setzen wir uns dann Ziele, wie z.B. an der Karriere zu arbeiten, regelmäßig Yoga zu machen oder zu meditieren, zu bestimmten Zeiten Sex zu haben, zu sparen oder was wir eben auch immer tun, um das zu bekommen, was wir wollen.

 

Und egal welches Ziel wir uns setzen, es wird der Tag kommen, an dem wir einen Rückschlag erleiden.

 

In der Meditation beispielsweise lassen uns unsere Gedanken nicht los, das Geld für die Sparrate ist nicht da, die Cholesterinwerte sind wieder gestiegen, das Glück will sich nicht einstellen, der Chef ist unzufrieden und die Beförderung weit weg.

 

Wir haben gelernt, dann hart mit uns zu sein, uns Vorwürfe zu machen, uns Versagen vorzuwerfen. Wir beschliessen vielleicht, nachdem wir die Wunden geleckt haben, uns noch mehr anzustrengen ... oder wir lassen es frustriert sein, da das mit uns ja offensichtlich eh nichts mehr wird.

 

Dabei ist gerade in dem Moment des vermeintlichen Scheiterns oder des Rückschritts ein großer Schatz verborgen: ich kann innehalten (wenn ich ja eh schon auf der Nase liege ...) und mich wieder verbinden mit meiner guten Absicht. Was ist die Absicht hinter meinem Ziel? Das, was ich eigentlich möchte? Das, was ich für möglich und erstrebenswert halte in meinem Leben?

 

Vielleicht stelle ich sogar erstaunt fest: mein Ziel stimmt gar nicht mehr mit meinen guten Absichten überein und ich sollte es neu formulieren, meinen Kurs an einen neuen Leuchtturm anpassen. Das kann manchmal auch ein Moment der Trauer sein, wenn wir ein Ziel fallen lassen müssen, weil es einfach nicht mehr zum Leben passt.

 

Oder ich stelle fest: meine Intention gilt noch und ich will mich wieder mehr mit ihr verbinden, sie erfrischen! Ich will mich wieder auf das Licht des Leuchtturms konzentrieren und es nicht aus den Augen verlieren, auch wenn die See mal rau wird.

 

Rückschlage und Misserfolge sind immer Geschenke, da sie uns zwingen innezuhalten in der (manchmal rastlosen) Verfolgung unserer Ziele und uns zu fragen, ob das eigentlich noch passt. Und wenn ja, den Blick auf das zu richten, was wir in unseren Leben manifestieren wollen, statt auf das, was wir vermeiden wollen. Rückschläge laden uns dazu ein, wieder zu beginnen, einen neuen Anfang zu wagen. Nicht in der Vergangenheit hängen zu bleiben, sondern aus ihr zu lernen und weiter zu gehen.

 

Rückschläge geben uns (wenn wir uns einen Moment des Luftholens gönnen) wertvolle Informationen darüber, was in Bezug auf unseren Leuchtturm, d.h. unsere tieferen Absichten hinter unseren Zielen, hilfreich und was weniger hilfreich war. Was funktioniert hat und was nicht funktioniert hat. Dann können wir mit dem weitermachen, was funktioniert hat, was in Übereinstimmung mit unseren Absichten war. In Wirklichkeit verdoppeln wir nach Rückschlägen jedoch häufig nur unsere Anstrengungen, das Ziel zu erreichen, und machen weiterhin die Dinge, die vorher schon nicht funktioniert haben, nur mit doppelter Kraft.

 

Oft ist ein Rückschritt oder Misserfolg ein Moment, in dem wir (statt uns fix und fertig zu machen, in dem Glauben, dass uns das irgendwie weiter pushen würde) betrachten können, was uns bis hierher gebracht hat. Was wir getan haben, um dem Leuchtturm näher zu kommen. Wir können würdigen, dass wir Absichten haben, unser Bestes geben, auf dem Weg sind.

 

Oft wollen wir, insbesondere nach Rückschlägen, am liebsten schon Meilen weiter sein, anstatt ausgerechnet hier. Und vergessen dabei, dass jede Erfolgsgeschichte - ganz egal was der Erfolg ist, äußerlich oder innerlich, materiell oder immateriell - an irgendeinem Punkt auch eine Geschichte des Scheiterns war.

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Dipl.-Psych. Susanne Keck

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