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Du bist nicht gut genug! Ist das wahr? - Hat Ihr innerer Kritiker eigentlich recht?

Lesezeit: ca. 5 Minuten

Das erfahren Sie in diesem Blog-Artikel: Wie Sie Ihren inneren Kritikerin die Schranken weisen können, indem Sie seine Lieblingssätze infrage stellen!

Das bekommen Sie in diesem Blog-Artikel

  • Eine Anleitung, wie Sie mit Hilfe von The Work of Byron Katie die Lieblings-Sätze Ihres Kritikers infrage stellen
  • Eine Idee, wie Sie Ihm inneren Kritiker eine neue Jobbeschreibung zuweisen können, dir nicht ablehnen wird

Die Stimme des Inneren Kritikers

Wie spricht Ihre innere kritische Stimme mit Ihnen?

"Du bist nicht gut genug!", "Du solltest weiter sein!", "Das schaffst du nie", "Niemand will dich!", "Du bist ein Versager", "Mit dir stimmt etwas nicht!". Das ist das Standard-Repertoire jedes durchschnittlichen Kritiker-Monsters. Kommt Ihnen davon das ein oder andere bekannt vor? Wenn ja, dann interessiert es Sie sicherlich, wie Sie Ihren inneren Kritiker in die Schranken weisen können!

 

"Du bist nicht gut genug!" gehört zum Standard-Repertoire jedes anständigen inneren Kritikers!

 

Sind Sie Ihrem Kritiker-Monster hörig?

Glauben Sie alles, was Ihr innerer Kritiker sagt?

Sicherlich schütteln Sie jetzt energisch mit dem Kopf! Natürlich nicht!

Wie die meisten Menschen wissen Sie oft im Kopf ganz genau, dass es nicht die Wahrheit ist, was Ihr Kritiker-Monster vom Stapel lässt. Nur scheint es in Ihnen einen Teil zu geben, der es für 100%ig bare Münze nimmt. Wer ist das, der sich von den herabsetzenden Kommentaren des Kritikers immer wieder so betroffen fühlt?

 

Wer glaubt dem inneren Kritiker?

Wie fühlen Sie sich, wenn Ihr inneres Kritiker-Monster mal wieder gnadenlos zuschlägt?

Wahrscheinlich beantworten Sie diese Frage in etwa so: klein, wertlos, ungeliebt, traurig, ausgeliefert, hoffnungslos, manchmal auch wütend. Wenn ich Sie fragen würde, wie alt Sie sich fühlen, wenn Ihr innerer Kritiker Sie in der Mangel hat, was würden Sie sagen? Zu welchen Lebensalter passen die genannten Gefühle am besten?

Die meisten Menschen fühlen sich ins Kindesalter - meist ins Vorschulalter oder frühe Schulalter - zurückversetzt, sobald sie sich Ihrer kritischen inneren Stimme ausgesetzt sehen. In der Psychologie nennen wir diesen eindrucksvollen Effekt Altersregression und es kann sehr unangenehm sein, wenn das z.B. im Meeting geschieht und Sie sich plötzlich wieder fühlen wie ein kleiner Junge oder kleines Mädchen, das von den Eltern geschimpft wird!

Es ist dieses metaphorische innere bedürftige Kind, das dem Kritiker glaubt und sich genau so fühlt!

 

Wer mag schon ein bedürftiges beschämtes Kind?

Meist lehnen wir diesen Zustand, uns wie ein kleines ungeliebtes herabgesetztes Kind zu fühlen, automatisch ab und wollen ihn verhindern. Wir empfinden es als peinlich oder beschämend, uns so bedürftig und verletzlich zu fühlen und bevorzugen es, uns als kompetent, stark und kontrolliert zu empfinden und so gesehen zu werden.

Und genau das ist der springende Punkt! Wir mögen uns als bedürftige beschämte Kinder nicht bzw. wir lehnen dieses Kind, das noch in uns lebendig ist, ab. Sobald eine Situation im Außen oder im Inneren den inneren Kritiker triggert kommt mit ihm dieses innere Kind, das ihm jedes Wort glaubt und sich genau so fühlt.

Statt dieses Kind zu trösten und ihm zu sagen, dass es völlig ok ist, so wie es ist, lehnen wir es ab und sagen vielleicht "Stell dich nicht so an!" oder "Werd' endlich erwachsen!"!

 

Der Kritiker als bester Freund des inneren Kindes!

Wann haben Sie sich zum ersten Mal für sich selbst geschämt, sich ungeliebt und nicht gut genug gefühlt?

Wahrscheinlich war das eine Situation mit Ihren Eltern oder anderen Bezugs- bzw. Autoritätspersonen. Diese hatten etwas an Ihnen auszusetzen, haben Sie kritisiert oder sich lustig gemacht. In dieser Situation ist in Ihnen der innere Kritiker entstanden, den ich mir gerne als kleines inneres Kritiker-Monster vorstelle (und die meisten meiner Klienten/innen auch).

Dieses Monster ist im Herzen gut und will das Kind davor bewahren, sich jemals wieder so beschämt und ungeliebt zu fühlen und sagt: "Ich werde dafür sorgen, dass du geliebt und akzeptiert wirst, indem ich dir helfe, gut genug zu werden." Das tut es, indem es alles bemerkt, das nicht gut genug ist und das Kind antreibt, gut genug zu werden. 

Dass diese Strategie ziemlich kurzsichtig ist und auf lange Sicht eher nach hinten los gegangen ist, versteht das kleine Kritiker-Monster nicht, dazu ist es (sorry, liebes Monster) nicht schlau genug.

Aber nachdem Sie als halbwüchsiger und später als erwachsener Mensch Ihr beschämtes inneren Kind konsequent abgelehnt haben, wurde das kleine Kritiker-Monster sein einziger Freund!

 

Werden Sie der beste Freund bzw. die beste Freundin Ihres inneren Kindes

Das Beste, was Sie tun können, um Ihren inneren Kritiker zu besänftigen ist, der beste Freund bzw. die beste Freundin Ihres inneren Kindes zu werden, indem Sie sich selbst trösten, lieben und akzeptieren, so wie Sie sind. Auch wenn Sie sich gerade nicht liebenswert, unfähig, abgelehnt oder ungeliebt fühlen. Gerade dann!

Wenn Sie diese Gefühle nicht mehr länger ablehnen, können Sie in Ruhe genauer hinsehen und sich einmal selber fragen, ob das, was das Kritiker-Monster da redet überhaupt der Wahrheit entspricht!

Weiter oben habe ich Sie ja schon gebeten, Ihrem inneren Kritiker-Monster mal zuzuhören. Was sagt es? Stimmt das eigentlich wirklich? Sicher, dieser kindliche Teil in Ihnen glaubt es und wird ganz traurig und hoffnungslos davon, manchmal auch wütend. Der erwachsene Teil in Ihnen jedoch kann sich bzw. dem inneren Kind die Frage stellen: Ist das wahr?

 

Ich bin nicht gut genug! Ist das wahr?

Nehmen wir mal den Klassiker unter den Kritiker-Sätzen: "Du bist nicht gut genug!"

Erinnern Sie sich an die letzte Situation, in der Sie das gedacht haben und in denen ihr inneres Kind sich beschämt und traurig gefühlt hat.

Was ist passiert? Ist Ihnen ein Fehler unterlaufen? Hatten Sie eine kleinen oder großen Misserfolg? Waren Sie nicht so, wie Sie gerne gewesen wären? Wurden Sie kritisiert?

 

The Work of Byron Katie

Meiner Meinung eine der besten Möglichkeiten, um Stress-erzeugende Überzeugungen infrage zu stellen, ist The Work of Byron Katie. Sie besteht aus 4 Fragen und Umkehrungen.

Stellen Sie sich vor, Sie haben Ihr inneres beschämtes Kind entdeckt und kennen gelernt. Sie sind voller Mitgefühl und Liebe für das kleine Mädchen oder den kleinen Jungen.

Das nächste Mal, wenn es dem Kritiker-Monster wieder glaubt - z.B: "Du bist nicht gut genug!" - und sich dementsprechend fühlt können Sie ihm oder ihr ganz liebevoll die 4 Fragen stellen:

1. Du bist nicht gut genug! Ist das wahr?

Geben Sie dem inneren Kind Zeit die Frage zu beantworten. Die Antwort kommt nicht aus dem Verstand, sondern aus dem Herzen und es kann eine Zeit dauern, bis sie aufsteigt. Antworten Sie mit einem klaren "Ja" oder "Nein". Der Verstand will gerne "Ja, aber ..." oder "Das kann man nicht so klar sagen ..." antworten. Lassen Sie sich davon nicht irritieren, sondern warten Sie in Stille bis die Antwort sich präsentiert.

Falls die Antwort "Ja" lautet, dann machen Sie mit Frage 2 weiter, ansonsten mit Frage 3.

2. Kannst du ganz sicher wissen, dass das wahr ist?

Auch hier mit "Ja" oder "Nein" antworten. Lassen Sie Zeit, bis die Frage einsinkt und die Antwort aus einer Art inneren Quelle aufsteigt.

3. Wie reagierst du, was passiert, wenn du diesen Gedanken glaubst?

Fragen Sie Ihr inneres Kind, wie es reagiert, wenn es dem Kritiker-Monster glaubt, dass es nicht gut genug ist. Was antwortet es?

Möglicherweise traurig, beschämt, wertlos, unfähig, ausgeliefert, wütend, ohnmächtig, hoffnungslos.

Wie reagieren Sie in der Situation darauf, wenn Ihr inneres Kind dem Kritiker glaubt und sich entsprechend fühlt? Sind Sie dann freundlich und tröstend oder barsch und abweisend? Schämen Sie sich für sich selbst?

4. Wer wärst du ohne den Gedanken in derselben Situation?

Fragen Sie Ihr inneres Kind, wer es in derselben Situation wäre, wenn es dem Kritiker-Monster einfach nicht mehr glauben könnte. Vielleicht weil es einen Wunder-Bonbon gegessen hat, der dafür sorgt, dass es das Monster nicht mehr hören kann. Wie würde es dann die Situation erleben?

 

Exkurs: Der Unterschied zwischen Scham und Schuldgefühl

Meist liegt in der Frage 4 der Unterschied zwischen Scham und Schuldgefühl.

Brenee Brown, eine der bekanntesten Scham-Forscherinnen, definiert Scham als Gefühl, das entsteht, wenn wir glauben, dass wir nicht gut genug sind und deshalb keine Liebe und Zugehörigkeit verdienen.

Wenn wir etwas falsch gemacht haben und wir empfinden Scham, dann glauben wir, dass mit uns insgesamt etwas nicht stimmt, dass wir grundlegend nicht in Ordnung sind und es deshalb auch wenig Hoffnung für uns gibt, erfolgreich "besser" zu sein.

Wenn wir hingegen Schuldgefühle haben, sagt Brenee Brown, dann glauben wir, dass wir diese eine Sache falsch gemacht haben und wir können dazu stehen. Wir glauben nicht, dass wir insgesamt falsch sind, sondern dass wir grundlegend gut, liebenswert und fähig sind. Deshalb haben wir Hoffnung, dass wir uns verbessern und dazu lernen können. 

Wenn Ihr inneres Kind glaubt, generell nicht gut genug zu sein, um geliebt zu werden, dann fühlt es sich hoffnungslos und ungeliebt (Scham!). Wer wäre es ohne den Gedanken? Was für Konsequenzen hat das für Sie als Erwachsenen (um in der Metapher zu bleiben)?

 

Kehre den Gedanken um

Nun folgt die Umkehrung des Gedankens ins Gegenteil: Ich bin gut genug!

Fragen Sie Ihr inneres Kind, ob es ein Beispiel finden kann, wie das wahr sein könnte, dass es gut genug ist!

Beispielsweise könnte es sagen: "Für dich bin ich gut genug, denn du magst mich auch, wenn ich traurig bin!"

Was können Sie denn finden, wie Sie in der Situation, die Sie für diese Übung gewählt haben, gut genug waren? Vielleicht haben Sie einfach das Beste getan, was in der Situation und zu diesem Zeitpunkt möglich war? Vielleicht waren Sie gut genug für sich selbst (wer bestimmt es denn eigentlich, ob Sie gut "genug" sind)? Vielleicht waren Sie genau für diese Situation so wie Sie waren der oder die Richtige und der Sinn des Ganzen erschließt sich erst noch?

Welche Beispiele können Sie finden?

 

Eine neue Jobbeschreibung für den Inneren Kritiker

Wie oben schon beschrieben macht Ihr inneres Kritiker-Monster Sie darauf aufmerksam, wann Sie (seiner Meinung nach!) nicht gut genug sind, das heißt nicht liebenswert, nicht akzeptabel. Und jedesmal, wenn er das tut, empfinden Sie bzw. Ihr innerer kindlicher Teil Scham.

Sie könnten mal mit Ihrem inneren Kritiker ein ernstes Wort sprechen und ihm erklären, dass Sie erkannt haben, dass Sie grundlegend in Ordnung und liebenswert sind und wie jeder Menschen ab und zu Mist bauen. Sein neuer Job könnte sein, Sie darauf hinzuweisen, wenn Sie "Mist gebaut" haben und Vorschläge zu unterbreiten, wie Sie den "Mist" wieder in Ordnung bringen können.

Wie wollen Sie ihn dann nennen? Wiedergutmachungs-Beauftragten? Verbesserungs-Experte? Er freut sich sicher über einen neuen Namen und einen neuen Job!

Kontakt

Dipl.-Psych. Susanne Keck

Schachnerstrasse 5

81379 München

 

mail(at)susanne-keck.de