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Gedeihst du schon oder verurteilst du dich noch? - Warum Selbstverurteilung dich auch nicht weiter bringt ...

Was du in diesem Blogbeitrag bekommst:

  • Du erfährst, warum du dich in Krisen oder nach Fehlern oder Enttäuschungen so fertig machst, obwohl das alles nur schlimmer macht,
  • warum es so schwer ist stattdessen freundlich zu dir zu sein und
  • wie dich Selbstmitgefühl resilient und widerstandsfähig macht.

Bist du ein Vulkanier? 

 

Läuft bei dir immer alles glatt? Gibt es in deinem Leben nur gute Zeiten, niemals Rückschläge, Krisen oder Misserfolge? Machst du immer alles richtig? Geht es dir immer super und erlebst du nie schmerzliche oder unangenehme Gefühle, wie Wut, Ärger, Trauer, Scham, Neid, Enttäuschung oder Erschöpfung?

Wenn du ein Mensch bist und kein Roboter oder Außerirdischer (z.B. Vulkanier ;-) ist deine Antwort auf alle diesen Fragen: nein!

Natürlich geht es in deinem Leben genauso auf und ab wie im Leben aller anderen Menschen. Und manchmal geht es eben ganz schön weit bergab ... so weit, dass du kaum noch einen Weg nach oben erkennen kannst. Und erfahrungsgemäß geht es irgendwann auch wieder bergauf ... ab und zu ganz weit nach oben!

 

Krise? Geht gar nicht ...

 

Wenn das bei allen Menschen so ist, warum machen wir uns dann selber so fertig, wenn es bei uns gerade mal bergab geht? Warum tun wir so, als ob alle anderen Menschen auf der Welt so viel besser mit ihrem Leben zurecht kämen als wir? Warum beschimpfen wir uns innerlich nach Mißerfolgen oder Fehlern, als ob das etwas ganz Unerhöhrtes und Nie-Dagewesenes wäre, das Andere auf gar keinen Fall erfahren dürfen ... "Was? Fehler? Krisen? Enttäuschung? Leid? Igittigitt, sowas haben wir hier nicht!"

 

Muster aus der Kindheit

 

Die Antwort ist: weil wir es so gelernt haben, meist in unserer Kindheit. Wenn wir als Kinder Angst bekommen, dass wir die Liebe und Zugehörigkeit unserer Eltern verlieren könnten, beginnen wir damit, uns zu bemühen so zu sein wie wir glauben, dass unsere Eltern (und später unsere Freunde, Partner etc.) uns haben wollen. Jeder durchläuft diese Phase, in der er/sie versucht "gut genug" zu sein, um Liebe, Anerkennung und Wertschätzung zu bekommen. Oft bilden sich dabei solche Glaubenssätze bzw. Grundüberzeugungen, wie z.B.

  • Du darfst nicht schwierig sein.
  • Mädchen werden nicht wütend!
  • Jungs haben keine Angst!
  • Du musst es allen Recht machen.
  • Du darfst nicht schwach sein.
  • Du musst mich stolz machen.
  • Wenn du erfolgreich bist, bist du gut genug.
  • etc. (Es gibt unendlich viele Varianten dieses Themas)

In der Folge beginnen wir uns zu be- und oft auch zu verurteilen, wenn wir nicht so sind, wie wir unserer Meinung nach sein sollten. Misserfolge, Krisen, Rückschläge oder Enttäuschungen stehen da nicht besonders gut im Kurs und so kommt es, dass wir beginnen ernsthaft zu glauben, dass das Auftreten dieser Phänomene bedeuten würde, dass wir nicht gut genug sind bzw. mit uns etwas nicht stimmt und wir die Liebe, Zugehörigkeit und Wertschätzung anderer Personen verlieren, wenn das sichtbar würde.

 

Das Ego liebt Drama!

 

Bei näherer Betrachtung (aus den Augen unseres erwachsenen Ichs) ist das ein völlig absurder Gedanke, etwas für abnormal und beschämend zu halten, das alle Menschen gleichermaßen erleben (auch wenn sie nicht darüber reden). Das wäre, wie wenn du glauben würdest, dass du nicht gut genug bist, weil du eine Nase oder Ohren hast. All das gehört zum Mensch-Sein.

Es ist ganz normal, dass wir diesen absurden Glauben in unserer Kindheit entwickeln. Doch wir dürfen ihn als Erwachsene infrage stellen!

Was ist eigentlich so attraktiv daran zu glauben, dass wir keine Krisen, Enttäuschungen oder Schwächen haben dürfen? Ganz einfach: unser Ego liebt Drama, Leid und Probleme und macht so gerne unsere individuelle (Leidens-, und Opfer-)Geschichte daraus. Wenn ich annähme, dass alle Aufs und Abs und das ganze dazugehörige Gefühlsspektrum menschlich und normal sind, dann bin ich nichts Besonderes mehr. Dann bedeutet Erfolg nicht, dass ich generell besser bin als andere und Misserfolg nicht, dass ich generell schlechter bin als andere. Dann bin ich einfach ein durchschnittlicher Mensch, der seinen Weg voller Aufs und Abs geht, Stärken und Schwächen hat und dabei Erfahrungen macht, lernt, wächst und sich entwickelt. Langweilig? Im Gegenteil!

 

Selbstmitgefühl macht resilient!

 

In meiner Erfahrung ist eines der größten Hindernisse dabei Fehler, Krisen, Misserfolge oder Enttäuschungen zu überstehen und an ihnen zu wachsen die teilweise harschen Selbstvorwürfe, die wie uns dafür machen, in dieser Lage zu sein. Als ob das alle anderen treffen dürfte, nur uns nicht.

Ohne die Verurteilung und die Bewertung kann ich den Erfahrungen in meinem Leben - seien sie positiv oder negativ - offen entgegentreten, denn ich mache sie nicht mehr zum Richter darüber, ob ich gut grundsätzlich genug bin oder nicht. Ohne die Frage nach meinem grundlegenden Wert als Mensch zu stellen, kann ich auf Fehlern, Schwächen, Misserfolgen und Krisen voller Verständnis und Selbstmitgefühl reagieren und mich dabei unterstützen, den Weg nach oben wieder zu finden und aus den Erfahrungen zu lernen. Oft viel besser und schneller, als wenn ich mich verurteile!

 

In der Krise sieht man nicht immer gut aus

 

Natürlich geht das nicht immer "clean" ab. Genauso wie zu den Hochzeiten des Lebens Gefühle wie Glück, Freude, Stolz und Liebe gehören, gehören zu den schlechten Zeiten Gefühle wie Verzweiflung, Angst, Traurigkeit, Hoffnungslosigkeit und manchmal auch Wut. Das Leben ist manchmal "messy" und um aus Krisen gestärkt und ein bisschen weiser als vorher herauszukommen müssen auch die "unordentlichen" Gefühle gefühlt werden, müssen Tränen fliessen und auch einmal ordentlich geflucht werden. In Krisen sieht man eben nicht immer gut aus.

Die Fähigkeit, die in meiner Erfahrung am allermeisten dabei hilft

  • Rückschläge und Krisen auf resiliente Art zu verarbeiten,
  • an ihnen zu wachsen und
  • zu erkennen, dass es nichts mit unserem Wert als Mensch zu tun hat, wenn wir solche Zeiten erleben,

ist Selbstmitgefühl - die Kunst der Freundlichkeit zu sich selbst.

Was ist Selbstmitgefühl?

Selbstmitgefühl besteht aus 3 Komponenten:

 

1. Achtsamkeit, d.h. die Fähigkeit mit den eigenen Gefühlen präsent zu sein ohne sie zu verurteilen

Erst wenn du deine eigenen schmerzlichen Gefühle ok findest, kannst du freundlich und verständnisvoll reagieren und sie lindern. Oft jedoch lehnen wir instinktiv bestimmte schmerzliche Gefühle ab - in der Hoffnung, dann nicht leiden zu müssen. Dummerweise verstärkt dieser Widerstand die Gefühle eher, als sie zu beenden. Der Weg hinaus ist der Weg hindurch!

 

2. Geteilte Menschlichkeit, d.h. die Einsicht, dass Leid zum Mensch-Sein gehört und du - genauso wie jedes andere Wesen - Mitgefühl und Freundlichkeit verdienst

Wie oben beschrieben fühlen wir uns oft isoliert, wenn wir unserer Meinung nach "nicht gut genug" waren. So als ob alle anderen Menschen glücklicher und begabter wären als wir. Das ist eine Auswirkung deiner eigenen Selbstverurteilung. Du schießt dich selber ins Aus, wenn du glaubst, nur du würdest solche Zeiten erleben. In Wahrheit gehörst du zu den Menschen, egal ob du gerade glücklich bist oder nicht.

 

3. Selbstfreundlichkeit, d.h. den Vorsatz zu treffen freundlich mit sich selbst umzugehen

Freundlich mit dir selbst umzugehen erfordert deine Entscheidung bzw. deinen Vorsatz und dein Versprechen jeden Tag das Beste zu tun. Auch hier gilt: es ist ein Wachstumsprozess, der nicht am ersten Tag gelingen wird, sondern Schritt für Schritt. Wenn du diese Intention nährst und dein Bestes tust, dann wirst du jeden Tag freundlicher zu dir. Du kannst jeden Tag besser mit den Herausforderungen des Lebens und den unvermeidlichen Rückschlägen umgehen. Du wirst jeden Tag mehr aufblühen und gedeihen.

 

Kontakt

Dipl.-Psych. Susanne Keck

Schachnerstrasse 5

81379 München

 

mail(at)susanne-keck.de