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Trauer und Verlust ... drei Dinge die dir helfen, wenn nichts mehr so ist wie es einmal war?

 

Jedes Jahr im November jährt sich der Todestag meiner Mutter. Sie hat sich am 07. November 2002 das Leben genommen, 7 Wochen nachdem mein Vater an einem Herzinfarkt gestorben ist. Ich weiß sehr gut, wie es ist, wenn plötzlich nichts mehr so ist, wie es war. Jeden November spüre ich wieder die Nachklänge aus Schmerz, aber mittlerweile auch viel Dankbarkeit, Mitgefühl und Liebe.

Also gibt es keine bessere Zeit, um einen Blogbeitrag über Verlust und Trauer zu schreiben!

  

Trauer als Krise

Meine Lieblingsdefintion von Krise ist: ... wenn das Alte gestorben ist und das Neue noch nicht geboren.

Auf kaum eine Art von Krise trifft das besser zu, als die emotionalen Tiefen, in die uns schwere Verlusterlebnisse stürzen. Wir trauern um den Verlust des Alten und sehen nichts Neues vor Augen.

 

Aber es war doch nur ein Meerschweinchen ...

Dabei gilt als schwerer Verlust nicht nur der Tod eines geliebten Menschen! Auch Trennungen und Scheidungen oder der Verlust wichtiger Aufgaben, wie z.B. eines Jobs, kann einen Menschen in eine Krise stürzen.

Es ist wichtig, dass du dir deine Trauer zugestehen darfst. Selbst wenn es "nur" das Meerschweinchen ist oder eine gerade erst begonnene Beziehung. In der Trauer gibt es kein "nur"!

 

Trauerst du auch richtig?

Trauer hat viele - teilweise völlig gegensätzliche und ambivalente - Gesichter: von Erstarrung und Taubheit bis hin zu kaum erträglicher Verzweiflung und manischer Aufregung. Von Gefühlen der Liebe und der Sehnsucht bis hin zu brennender Wut und Aggression.

Du erlebst deine eigene individuelle Mixtur aus Zuständen, die von vielen Faktoren abhängt und für dich genau richtig ist.

Alle Versuche, bestimmte Phasen von Trauer festzulegen führen nur dazu, dass Menschen ihr Erleben vergleichen und sich fragen: trauere ich "richtig"? Bin ich krank oder normal?

 

Voll krank, oder?

In der Trauer gibt es keine Regeln. Sie ist so vielfältig wie das Leben der Menschen, die sie durchmachen. Aber eines ist gewiss: Trauer ist keine Krankheit! Sie ist eine normale Reaktion, die es dir ermöglicht, mit dem Verlust umzugehen ... auch wenn sich in diesen Zeiten kaum etwas normal anfühlt.

Ganz egal wie deine Trauer aussieht, wie lange sie anhält und ob sie sich früher oder später zeigt, das alles ist im Bereich des normalen Erlebens von Menschen!

 

Schmerz, Isolation, und Zweifel

Menschen die in Zeiten der Trauer zu mir kommen haben oft drei Probleme und vielleicht findest du dich in dem ein oder anderen wieder:

1. Schmerz - Trauer tut weh.

Die Wissenschaft hat kürzlich bewiesen, dass Verluste tatsächlich körperliche Schmerzen hervorrufen. Oft berichten Trauernde von solchen förmlich körperlich spürbaren Schmerzen und wissen nicht, wie sie damit umgehen sollen.

2. Isolation - Trauer führt zu Gefühlen des Getrenntseins

Viele Menschen berichten, dass die Trauer eine Art Wand zwischen ihnen und den anderen zu erschaffen scheint und sie sich allein und verlassen von der ganzen Welt fühlen.

3. Zweifel und Scham - Trauer lässt Menschen an sich zweifeln.

Häufig wissen Trauernde nicht, ob das, was sie erleben, "richtig" ist und was Anzeichen einer "erfolgreichen" Trauer sei.

Darfst du nach Monaten immer noch verzweifelt sein? Hättest du nicht längst schon loslassen müssen? Oder solltest du nicht trauriger sein, als du es bist? Darfst du wütend oder gar glücklich sein?

 

1. Den Schmerz der Trauer lindern

Im Buddhismus gibt es die schöne Formel: Leid = Schmerz x Widerstand.

Widerstand gegen körperliche oder psychische Schmerzen ist eine normale menschliche Reaktion, die Leid vermeiden will. Wir leisten Widerstand, indem wir z.B. unsere Muskeln verhärten, uns ablenken oder unsere Gefühle betäuben. Das ist gut, denn so können wir immer nur so viel Schmerz zulassen, wie wir glauben aushalten zu können.

Auf die Dauer jedoch führt großer Widerstand zu Leid, denn die Gefühle bzw. Schmerzen lassen sich nicht dauerhaft wegdrängen. Sie werden dann oft zu ständigen latenten Begleitern, die ihren Weg in unser Bewusstsein suchen, wann immer sie eine Gelegenheit dazu bekommen, z.B. wenn mal Ruhe ist oder wenn wir alleine sind. Dies führt dazu, dass wir auf der Flucht sind vor den Gefühlen und unsere Angst vor ihnen immer größer wird. Bis wir vielleicht irgendwann befürchten, wie würden es nicht überleben, wenn wir sie einmal wirklich zuliessen. (Zu deiner Beruhigung: bisher ist noch jeder lebend aus einem Termin mit mir gekommen).

Ein guter Weg für dich, um auf behutsame Weise Zugang zu deinen Gefühlen und deinem Widerstand zu erlangen, ist (wieder) in Kontakt mit deinem Körper zu kommen. Dabei hilft dir z.B. ein bewusster oder vielleicht sogar liebevoller Kontakt mit dem Körperbei so alltäglichen Dingen wie Gehen, Duschen oder Baden, Eincremen, Essen, oder Sport. Oder einmal schmerzhafte Körperstellen zu dehnen, zu massieren oder einzuölen.

 

2. Wege aus der Isolation

Oft berichten Trauernde, sie fühlten sich wie in einer Blase aus Einsamkeit, ohne Unterstützung, anders als alle anderen, völlig einsam und getrennt.

Ein wichtiger Faktor der Isolation ist Scham. Scham ist das schlimme Gefühl das eintritt, wenn du glaubst, dass mit dir etwas nicht stimmt und dass du deshalb keine Liebe und Zugehörigkeit verdienst. Vielleicht glaubst du, es könne eh keiner verstehen und nachempfinden? Vielleicht schämst du dich dafür, dass du nicht so fühlst wie du meinst fühlen zu müssen oder wie andere es von dir erwarten? Vielleicht fühlst du Schuld oder Wut und verurteilst dich dafür?

Scham gedeiht am Besten im Schweigen. Wenn wir nie mit jemandem darüber reden, wie es uns geht, dann können wir auch nie feststellen, dass es anderen genauso geht oder dass sie es verstehen können. Vielleicht möchtest du dich jemandem anvertrauen, der aus deiner Sicht würdig ist, deine wahren Gefühl und Gedanken zu kennen?

Im Buddhismus gibt es den Begriff der "Geteilten Menschlichkeit". Das bedeutet, dass es nichts gibt, was uns aus der menschlichen Gemeinschaft ausschließt. Keine noch so extremen Gefühle oder keine noch so extreme Gefühllosigkeit disqualifiziert dich ein Teil der Menschheit zu sein. Wir sind alle miteinander verbunden und nichts kann uns tatsächlich trennen - außer wir glauben, getrennt zu sein.

Einige Meditationen legen den Fokus auf die Verbindung zwischen allen Wesen und der "geteilten Menschlichkeit" und diese sind für Trauernde sehr heilsam, wie z.B. die Selbstmitgefühlspause weiter unten.

 

3. Selbstakzeptanz - Zu sich und der eigenen Art der Trauer stehen

Trauer ist universell, das heißt, dass alle Menschen sie gleichermaßen erleben können und gleichzeitig höchst individuell, das heißt, dass sie sich bei unterschiedlichen Menschen ganz anders zeigen kann.

Es gibt kein allgemein gültiges Zeichen einer "erfolgreichen" Trauer. Für manche bedeutet gelungene Trauer, die Liebe und Verbindung zu einem Menschen den Rest des Lebens zu spüren und auf eine Art sogar zu feiern. Für manche bedeutet erfolgreiche Trauer sich von etwas abzuwenden und neu zu beginnen. Für manche bedeutet es, Wut zuzulassen und die Dinge neu zu bewerten. Für manche bedeutet es in erster Linie sich selbst zu entdecken und eine neue Beziehung zu sich selbst aufzubauen.

Erst wenn ich meine Gedanken und Gefühle so annehme, wie sie sind kann ich mich ihnen überhaupt zuwenden. Jede Form von vorgefertigter Vorstellung, wie Trauer sich anfühlen und wie sie aussehen sollte verhindert das.

 

Die Selbstmitgefühlspause ist eine wunderbare Übung aus der Selbstmitgefühlspraxis, die dir helfen kann, deine schmerzlichen Gefühle behutsam anzunehmen und mit geteilter Menschlichkeit und Selbstfreundlichkeit auf sie zu reagieren. Auch diese Übung kommt aus meiner Sammlung kostenloser Ressourcen, die ich hier für dich zur Verfügung stelle!

Kontakt

Dipl.-Psych. Susanne Keck

Schachnerstrasse 5

81379 München

 

mail(at)susanne-keck.de