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Dankbarkeit im Unglück - geht das?

Nicht schon wieder Dankbarkeit!!

Vielleicht liest du öfter über Dankbarkeit: wie Dankbarkeit dein Glück und deine Resilienz vergrößern kann, wie Dankbarkeit deinen Weg aus der Krise vereinfachen kann und so fort.

Vielleicht denkst du jetzt: Oh nein, ich möchte nicht schon wieder an Dankbarkeit erinnert werden. Darf ich nicht mal in Ruhe wütend, traurig, verzweifelt oder hoffnungslos sein?

Natürlich darfst du das! Denn es geht gar nicht darum, dass du nicht fühlen darfst was du fühlst! Dankbarkeit will dir nicht deine negativen Erlebnisse wegnehmen, Dankbarkeit will nicht deine Gefühle bekämpfen. Es geht nicht darum, dass du (gefälligst) dankbar sein solltest, wenn du aber gerade verletzt oder wütend bist.

Alle Gefühle haben ihren Platz solange sie da sind. Leid und Dankbarkeit schließen sich nicht aus!

Unglück und Dankbarkeit?

Oft sagen wir meine Klienten/innen, dass sie in Zeiten des Leids nichts finden können, für das sie dankbar sein könnten. So als ob das Unglück, die Enttäuschung  oder die Wut die Brille ist, durch die sie die Welt sehen und alles Gute und Schöne durch diese Brille nicht sichtbar ist.

Wenn du diese Brille eine zeitlang getragen hast, dann kann es sein, dass du auch deine Vergangenheit und die Zukunft durch diese Brille betrachtest und auch dort nichts mehr Gutes erkennen kannst - so als ob dein Leben immer schon traurig und freudlos gewesen wäre.

Das stimmt natürlich nicht, denn es ist nur die Brille durch die du die Welt siehst! Es ist nicht die Wahrheit, dass es in deinem Leben nichts mehr Gutes gibt! Selbst am schlimmsten Tag deines Lebens gab es das Gute.

Don't be a traitor to misery!

Ich liebe das Zitat von Byron Katie, in dem sie sagt, dass wir keine Verräter des Unglücks sein wollen. Was meint sie damit? 

Wenn wir leiden, dann wehren wir uns innerlich dagegen irgendetwas wahrzunehmen, das nicht leidvoll ist oder etwas, das unserer Leidens-Geschichte widerspricht.

Die Gründe dafür sind vielfältig:

  • Wir wollen den Erwartungen unserer Umwelt entsprechen und wir denken, dass diese in bestimmten Situationen erwartet, dass wir leiden (z.B. nach Verlusterlebnissen).
  • Wir wollen die Hilfe und Unterstützung anderer nicht verlieren und denken, dass wir diese nur bekommen, wenn wir leiden.
  • Wir befürchten Beziehungen zu verlieren, die vielleicht zu einem großen Teil darauf aufbauen sich sich gegenseitig in der Berechtigung des Leidens zu bestätigen.

Wie du deine innere Dankbarkeit in jeder Lebenssituation finden kannst!

Wenn du ab und zu ein/e Verräter/in des Unglücks sein willst, dann wirst du vielleicht feststellen, dass Unglück und Dankbarkeit durchaus nebeneinender existieren können. 

Probiere es doch gleich einmal aus und betrachte deine Umgebung. 

Nimm dir jetzt ein oder zwei Minuten Zeit da wo du gerade bist, indem du alles was du siehst, hörst, fühlst, riechst, schmeckst mit Neugierde und Wohlwollen betrachtest, so als ob du es noch nie gesehen hättest.

Nimm alles wahr, was es da gibt - und wenn du wieder in deine Gedankenwelt abdriftest, dann bringe deinen Geist zurück ins Hier und Jetzt und nimm weiter alles um dich herum mit Neugierde und Wertschätzung wahr - alles was da ist!

Es ist ganz egal wo du bist und in welcher Lebenssituation, immer gibt es mehr als genug Dinge um dich herum für die du dankbar sein kannst.

Überlege dir, wie es zustande gekommen ist, dass diese Dinge jetzt für dich da sind, was Menschen dazu beigetragen haben mit ihrem Können, Wissen und ihrer Arbeit. Spüre die Dankbarkeit dafür, dass dies alles für dich da ist - auch wenn sie vielleicht ganz klein ist.

Genieße für einen Moment das gute Gefühl, dass - trotzdem du vielleicht gerade in einer schwierigen Lebenssituation bist - es so viel um dich herum gibt, das dich unterstützt.

Das Gute im Schlechten sehen lernen!

Wenn du noch einen Schritt weiter gehen willst, dann könntest du dir auch überlegen, wie das Schlechte in deinem Leben auch gut ist. 

Vielleicht bedeutet Dankbarkeit gar nicht, sich etwas vorzumachen, sich etwas schön zu reden oder das Schelchte zu verdrängen?

Dabei geht es nicht darum, dich zu etwas zu überreden! Du darfst es weiterhin schlecht finden! Es geht nur darum, ein klitzekleines bisschen offen für die Möglichkeit zu werden, dass es neben dem Leid und dem Unglück, auch etwas Gutes an der Sache gibt.

Hier möchte ich nochmal Byron Katie zitieren: "Alles was geschieht geschieht für dich, nicht gegen dich! Es geschieht genau zum richtigen Zeitpunkt, nicht zu früh und nicht zu spät! Du musst es nicht mögen, es ist nur einfacher wenn du es tust!"

Vielleicht ist es sogar höchst realistisch für alles dankbar zu sein, was geschieht! Denn ohne unsere Erfahrungen und Erlebnisse wären wir ja nicht die, die wir sind.

 

Kontakt

Dipl.-Psych. Susanne Keck

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