· 

Frohe Ostern für den Homo oeconomicus

Erst mal frohe Ostern! Alle Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen freuen sich auf ein paar freie Tage 

 

Heute morgen konnte ich passenderweise in der Zeitung lesen, dass die Piratenpartei die erste Partei ist, die das bedingungslose Grundeinkommen in ihr Programm aufgenommen hat. Die Idee: alle bekommen einen bestimmten monatlichen Betrag (der gerade so zum Leben langt), alle anderen staatlichen Zuwendungen fallen dafür weg (kein Hartz IV, kein Kindergeld etc.). Es gibt viele erhoffte positive Folgen und natürlich auch viele Einwände. Ich persönlich bin ein Fan der Idee (wenngleich nicht in der Lage, auszurechnen, ob es überhaupt funktionieren könnte).

 

Ein Einwand, der mich jedoch jedesmal stutzig macht und der natürlich auch in dem Artikel nicht fehlt, ist der, dass alle ArbeitnhmerInnen, sobald sie ein bedingungsloses Grundeinkommen bekämen, nur noch faul herumlägen und nichts mehr zum Bruttosozialprodukt beitrügen. Das Menschenbild, das dieser Sorge zugrund liegt, ist das des Homo oeconomicus, dessen Ziel ausschließlich sein ökonomischer Vorteil ist und der dies kühl und rational verfolgt. Arbeit dient einzig und allein dem Geld verdienen. Ist das nicht mehr nötig wird sofort die Arbeit niedergelegt.

 

Warum interessiert mich dieser Einwand? Weil er viel über das mangelnde Verständnis für Glück im Kontext von Arbeit und Geld zeigt. Eine solche Annahme kann nur ein Mensch haben, der glaubt, dass Menschen tatsächlich nur für Geld arbeiten. Und viele Menschen glauben von sich, dass sie nur für Geld arbeiten. Wie ist es bei Ihnen? Würden sie nur noch faul auf der Wiese liegen, wenn Sie ein bedingungsloses Grundeinkommen bekämen?

 

Ich denke Nein. Vielleicht würden Sie das für ein paar Wochen tun, aber dann? Dann würden Sie sich gerne nützlich machen, sich gebraucht fühlen, etwas Sinnvolles tun. Dann würden Sie gerne irgendeine Art von "Projekt" haben, das Sie fesselt und an dem Sie etwas lernen können. Sie würden gerne etwas BEITRAGEN! So sind Menschen - das hat die Positive Psychologie längst erkannt. Ohne eine sinnvolle Tätigkeit werden Menschen depressiv. Sie wollen einen Beitrag leisten, sich weiterentwickeln und mit anderen zusammen etwas bewirken.

 

Dieses menschliche Streben wird von der Idee des Geld-Verdienens eher unterminiert. Ich bin keine Kommunistin und finde Geld-Verdienen eine tolle Sache - nur, zu glauben, man arbeite NUR für Geld, macht unglücklich und verbaut einem den Zugang zu den eigenen Ressourcen. Beobachten Sie sich einmal selber: warum gehen Sie jeden Tag in die Arbeit, oder tun überhaupt irgendetwas. Wirklich nur, weil Sie vermeintlich müssen bzw. nur für Ihren ökonomischen Vorteil? Würden Sie nichts davon mehr tun, wenn der Staat Ihnen jeden Monat einen Betrag überweisen würde, der zum Leben genügt?

 

Und wenn Sie Manches davon dennoch täten, was sind dann Ihre Motive? Spaß, ein Gefühl von Sinnhaftigkeit, Gebraucht-Werden, Freude etwas mit anderen zu tun, Streben nach Erfolg und Lernen, Sich-Weiterentwickeln, Geben ... klingt alles nicht nach Homo oeconomicus.

 

Spannende Ostern wünscht Eure

 

Susanne Keck

Kontakt

Dipl.-Psych. Susanne Keck

Schachnerstrasse 5

81379 München

 

mail(at)susanne-keck.de