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Ganz unabhängig von den Lebensumständen

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Ich weiß nicht ob es Ihnen aufgefallen ist... aber ich habe ja tatsächlich behauptet, dass Sie sich selbst wertschätzen können, glücklicher und innerlich freier sein können - ganz unabhängig von den Lebensumständen.

 

Das könnte bei Ihnen vielleicht als provokant ankommen, denn ich weiß ja nichts von Ihren Lebensumständen. Und ich weiß, dass es wirklich schreckliche Lebensumstände gibt. Das möchte ich überhaupt nicht in Abrede stellen oder das Leid, das durch Umstände enstehen kann, kleinreden.

 

Einige dieser Lebensumstände kenne ich nur allzu gut!

 

In der sog. Glücksforschung, also der seriösen Forschung innerhalb der positiven Psychologie, gibt es große Meta-Studien zum Thema, was für unser dauerhaftes Glück verantwortlich ist. Da schneiden die Lebensumstände mit 10% Beitrag recht mickerig ab. Meine Studenten in der psychotherapeutischen Ausbildung, die ich anbiete, sind darüber regelmäßig ziemlich sprachlos.

 

Ich lese dann gerne eine Liste der Dinge vor, die in seriösen psychologischen Studien nicht zu einem dauerhaften Glücks-Zuwachs geführt haben - kurzfristig sehr wohl, aber die dauerhafte Lebenszufriedenheit wird nicht gesteigert durch ...

  • Ein paar Kilos weniger
  • Auswandern
  • Bessere Noten der Kinder
  • Liebevolle Eltern
  • Mehr Zeit (es kommt darauf an, wie man die Zeit verbringt, die man hat!)
  • Mehr Geld ( wenn man genug Geld zum Leben hat)
  • Die Heilung einer chronischen Krankheit
  • Mehr Flexibilität am Arbeitsplatz
  • Ein neuer Job, Aufstieg
  • Eine größere Wohnung
  • Ein aufmerksamer Partner
  • Ein Kind
  • Ein jugendliches Aussehen
  • Eind Ende der Rückenschmerzen

Offenbar überschätzen wir den Beitrag positiver Ereignisse und Umstände zum dauerhaften Glück!

 

Alles, was wir wollen, wie z.B. Erfolg, Geld, Karriere, Traumpartner, Kinder, Schönheit, Attraktivität: das alles scheint uns nur kurzfristig glücklicher zu machen.

 

Warum machen uns die Dinge, die wir wollen, nicht langfristig glücklich?

 

Eine Erklärung dafür ist die sogenannte hedonistische Anpassung an positive Umstände ('Hedonistische Tretmühle'). Wir Menschen sind sehr anpassungsfähige Wesen, was auch zur Folge hat, dass wir uns an positive Veränderungen in unserem Leben schnell anpassen. Was gestern noch neu und aufregend war, kann schnell zur neuen Normalität werden.

 

Genauso können wir uns glücklicherweise auch an negative Veränderungen anpassen: die meisten Menschen sind in der Lage innerhalb eines Jahres massive negative Veränderungen, wie z.B. eine Querschnittlähmung, zu bewältigen und wieder auf dem Glücksniveau sein, das sie vorher hatten.

 

Was ist mit den Einflüssen aus unserer Kindheit?

 

Wenn es um den Einfluss der Lebensumstände geht, fragen die meisten irgendwann: aber was ist denn mit den Einflüssen durch unsere Herkunftsfamilien, wie wir aufgewachsen sind, wie wir behandelt worden sind? Wir alle wissen doch, wie groß der Einfluss unserer Kindheit auf unser Glück ist. Was ist mit Menschen, die von Eltern verlassen oder misshandelt wurden? Wie kann man da behaupten, das würde nur 10 % ausmachen?

 

Oder kennen diese Forscher keine Gegenden auf der Erde, in denen Menschen unter unter viel schlechteren Bedingungen leben wie wir hier im Westen? Wissen die nicht, dass es Hunger, Armut und Gewalt gibt? Ist es nicht zynisch zu behaupten, dass das alles nur 10 % vom Glück ausmacht?

 

Doch! Wir alle wissen, was Menschen alles zustoßen kann. Und dennoch gibt es hier aus meiner Sicht eine Botschaft der Hoffnung!

 

Eine Botschaft der Hoffnung!

 

Das möchte ich erklären:

Eine mutige Frau namens Marie Jahoda hat in den 30er und 40er Jahren des letzten Jahrhundert langzeitarbeitslose Menschen untersucht im Hinblick auf die psychischen Auswirkungen der Arbeitslosigkeit: sie hat festgestellt, dass diese Menchen depressiv und sozail isoliert waren. Das überrascht nicht.

 

Das revolutionäre an ihrer Studei war jedoch, dass sie erkannte, dass die Ursache für den schlechten psychischen Zustand der Menschen nicht die Arbeitslosigkeit selbst war, sondern der Einfluss, den diese auf die von Jahoda formulierten 6 Faktoren seelischer Gesundheit hatte.

 

Diese sind:

  1. Selbstakzeptanz
  2. Pesönlichkeitsentwicklung
  3. Positive Beziehungen zu andern
  4. Erleben von Autonomie
  5. Erfolgreiche Alltagsbewältigung
  6. Lebensziele bzw. Erleben von Sinn.

Wesentlich ist hier, dass nicht die Lebensumstände selbst - wie in Jahodas Studie die Arbeitslosigkeit - direkt die negativen Auswirkungen auf die psychische Verfassung haben! Vielmehr ist es so, dass sich durch die Arbeitslosigkeit die Faktoren des subjektiven Wohlbefindens verändern, z.Bsp. sinkt die Selbstakzeptanz durch Erleben von Scham, durch die soziale Isolation vermindern sich positive Beziehungen, durch das Wegfallen der Berufstätigkeit sinkt das Sinnerleben etc.

 

Das Gute daran ist, dass wir zwar an der Veränderungen unserer Lebensumstände oft nichts ändern können, sehr wohl aber Einfluss auf die Faktoren des subjektiven Wohbefindens haben! D.h. wir können mitbestimmen, welchen Einfluss Lebensumstände z.B. auf unsere Selbstakzeptanz oder unser Sinnerleben haben.

 

Auch in der späteren Glücksforschung, wie z.Bsp. bei Ed Diener bestätigt sich immer wieder, dass Lebensumstände einen viel geringeren Einfluss auf unser Wohlbefinden haben, als angenommen.

 

Das bedeutet für uns, dass negative Lebensumstände, wie zBsp. eine schlimme Kindheit natürlich Einfluss hatben eine sehr große sogar. Allerdings auf Faktoren, die durch uns veränderbar sind!

 

Deshalb zählen sie nicht nicht zu den Lebensumständen, denn unser Unglück kommt nicht daher, dass ezBsp. unsere Mutter uns vielleicht nicht genug gelibt hat oder dass unser Chef unsere Arbeit nicht wertschätzt oder dass unser Partner uns keine Aufmerksamkeit schenkt oder oder oder.

 

Es kommt aus dem, was wir daraus machen!

 

Wenn Ihre Mutter sie nicht genug geliebt hat, dann haben Sie daraus möglicherweise abgeleitet, dass sie nicht besonders liebenswert sind. Das ist schmerzhaft UND Sie können, wenn Sie wollen, daran arbeiten, sich selbst lieben zu lernen - ganz unanbhängig davon, ob Ihre Mutter es tut oder nicht. Sie können heute bestimmen, ob Sie dieser Einschätzung aus Ihrer Kindheit, dass Sie nicht liebenswert sind, zustimmen wollen oder nicht. Sie können heute bestimmen, dass Sie liebenswert sind.

 

Natürlich ist das nicht leicht! Aber es ist leichter, als zu denken, dass Ihre Mutter schuld an Ihrem mangelndem Selbstwertgefühl ist. Denn dann müssten Sie die Vergangenheit und vermutlich auch Ihre Mutter ändern, um glücklicher zu werden! Das ist hoffnungslos.

 

Vergebung bedeutet die Hoffnung auf einere bessere Vergangenheit aufzugeben!

 

Wenn Ihr Chef Ihre Arbeit nicht wertschätzt oder Ihre ParterIn Ihnen nicht so viel Aufmerksamkeit schenkt, wie Sie sich wünschen, ist das natürlich nicht schön! Aber das ist nicht der wahre Grund für Ihr Unglück darüber: Der Grund ist, dass Sie anfangen selbst an Ihrer Arbeit bzw. an sich selbst zu zweifeln. Dass Sie sich fragen, ob es nicht doch an Ihnen liegt. Dass Sie sich um Opfer machen.

 

Sie könnten anfangen sich und Ihre Arbeit wertzuschätzen, sich selbst Aufmerksamkeit zu schenken. Sie könnten bemerken, dass es sehr wohl Menschen gibt, die Sie wertschätzen. Und da sind wir im Bereich, der Dinge, auf die Sie Einfluss haben!

 

Sie können heute damit beginnen, Ihr Glück in Ihre eigenen Hände zu nehmen. Das bedeutet nicht, das Leid und den Schmerz darüber, dass Ihnen negative Dinge widerfahren sind, zu ignorieren! Es ist schmerzlich, nicht genug Liebe, Aufmerksamkeit oder Wertschätzung bekommen zu haben - keine Frage! Und es braucht viel Selbstmitgefühl, um diesem Schmerz zu begegnen!

 

Aber diese negativen Lebensumstände definiert Sie nicht und sie bestimmen auch nicht, wie glücklich Sie sind.

 

Selbstakzeptanz, innere Freiheit und Glück sind Ihr gutes Recht und nichts, was geschehen ist, vermag Sie davon dauerhauft zu trennen.

 

Machen Sie sich nicht zum Sklaven Ihrer Lebensumstände oder gar Ihrer Vergangenheit, sondern beginnen Sie Ihr Glück ihn die eigenen Hände zu nehmen, indem Sie an den Faktoren seelischer Gesundheit arbeiten, statt zu versuchen Ihre Lebensumstände zu ändern.

 

Auf Platz 1 der Faktoren, wenn Sie sich erinnern, ist die Selbstakzeptanz. Immer wieder zeigt sich in Studien und auch in meiner Erfahrung, dass Selbstakzeptanz, Selbstliebe, Selbstwertschätzung - wie Sie es nennen wollen - einer der wichtigsten Faktoren für unser Glück ist und Selbstabwertung und Selbstvorwürfe eine der größten Blockaden zu einem glücklichen Leben sind.

 

Viel Glück!

 

Kontakt

Dipl.-Psych. Susanne Keck

Schachnerstrasse 5

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